Ferdinand und die Karotten

Kinder, wie die Zeit vergeht. Ehe man sich umsieht, ist ein dreiviertel Jahr um.

Meine (kleine?) Fellkugel auf 4 Beinen ist inzwischen 9 Monate alt und schon 124 cm groß – also hoch, nicht breit… Obwohl, viel fehlt in der Breite auch nicht mehr, um gleich breit wie hoch zu sein. Er hatte in den letzten paar Tagen schon ordentlich Futter, das sieht man aktuell so ein klitzekleinwenig… Mache mir deshalb aber noch keine großen Sorgen, denn Wachstum braucht Energie, also schauen wir mal, wie es/er sich entwickelt. Und wenn wir von Entwicklung sprechen, dann geht’s grad nicht nur physisch vorwärts, sondern auch intellektuell.

Ich arbeite ungern mit streng fokussierten oder zu hoch gesteckten Zielen, denn die erzeugen meistens zu viel Ehrgeiz und Druck, sind in der Ausführung nicht flexibel genug und bringen in der Folge oftmals Ernüchterung (für mich) und/oder Überforderung (beim Pferd) mit sich. Lieber spielerisch rangehen und Zeit dafür nehmen, denn irgendwann funktioniert es dann fast wie von selbst. Ach so, die Sache mit der Konsequenz sollte natürlich auch noch… Ihr wisst, was ich meine.

Auch wenn ich’s langsam angehen möchte, so möchte ich das eine oder andere Verhalten trotzdem lieber gestern als morgen abtrainieren. Und dabei sind wir heute einen ersten Schritt weitergekommen. Ich habe nämlich meinem (zuweilen aufdringlichen, meist aber nur sehr neugierigen) Karottenhäcksler beigebracht bekommen, dass es ab sofort die roten Zapfen nur noch dann gibt, wenn ich es anbiete und er höflich danach fragt. Bisher wurde ungefragt und mit gewissem Nachdruck jede Hand und jede Tasche sofort nach dem Wurzelgemüse untersucht, und das auf Schritt und Tritt. Um das einzudämmen haben wir in den vergangenen Tagen eine kleine Geste eingelernt.

Meine rechte flache Hand erhoben bedeutet: „Du kannst was haben, wenn Du willst“. Und weil er immer will, macht er brav mit. Geben tut es aber nur etwas, wenn er auf Zuruf herkommt, sich ruhig vor mich stellt (und nicht von der Seite oder gar von hinten kommt), dann mit der Schnauze die erhobene Hand anstupst und anschließend nicht nach der Belohnung drängelt. Gut, zum Drängeln kommt’s nicht, denn im Moment bekommt er die Belohnung sofort beim Anstupsen, damit er sich das Prozedere auch einprägt. Und es funktioniert auch noch nicht jeder Durchgang immer perfekt, aber die Fails werden weniger und der Junge immer ruhiger, weil er nun sicher weiß, dass er was bekommt.

Sinn der Sache ist, dass er nicht weiterhin in Dauerschleife jede Hand oder jede Jackentasche untersucht, die er finden kann. Zumindest heute konnten wir dadurch längere Zeit ohne Verfolgerpferd die Koppel abkehren, weil ich ihm während dem Abmisten keine Karotte anbieten konnte.

Mal sehen, ob’s morgen auch noch so gut funktioniert oder ob das aufgeregte Fohlenhirn das Programm schon wieder gelöscht hat…

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